Google verändert Discover: Du kannst der KI sagen, was du sehen möchtest
Google testet eine KI-Funktion, mit der Nutzer ihren Discover-Feed in natürlicher Sprache anpassen können. So funktioniert „Tailor your feed“.
European Union, 2023 - Source: EP - Margaux D'Herckers
Google macht Discover persönlicher und gesprächiger
Google testet eine neue Möglichkeit, den Discover-Feed zu steuern. Nutzer sollen nicht mehr nur über Suchverlauf, Interessen oder einzelne Feedback-Schaltflächen beeinflussen, was angezeigt wird. Stattdessen können sie der KI direkt beschreiben, welche Inhalte sie sehen möchten.
Das Experiment heißt „Tailor your feed“. Nutzer können Themen, Quellen, Formate, Stimmungen, Ziele oder unerwünschte Inhalte in eigenen Worten nennen. Die KI von Discover passt den Feed daraufhin an und kann diese Präferenzen für spätere Besuche berücksichtigen.
Damit verändert sich vor allem die Art der Personalisierung. Discover versucht seit Jahren, interessante Inhalte vorzuschlagen, bevor ein Nutzer danach sucht. Nun kann der Nutzer zusätzlich ausdrücklich erklären, was gerade relevant ist.
Was ist „Tailor your feed“?
Google beschreibt die Funktion als Möglichkeit, Discover in natürlicher Sprache mitzuteilen, was man sehen möchte. Die Wünsche können konkret oder offen formuliert sein.
Mögliche Anfragen sind zum Beispiel:
- Ein neues Thema zum Feed hinzufügen.
- Über ein bestimmtes Gebiet aus Nachrichten oder Sport auf dem Laufenden bleiben.
- Reisetipps nach einer abgeschlossenen Reise entfernen.
- Eine unerwünschte Inhaltskategorie reduzieren.
- Vorhandene Empfehlungen genauer eingrenzen, etwa bei bestimmten Ernährungswünschen.
- Mehr Inhalte eines bestimmten Publishers anzeigen.
- Ein bevorzugtes Format wie Videos auswählen.
- Dem Feed eine bestimmte Stimmung geben, etwa ruhiger oder fokussierter.
Nach Angaben von Google kann die KI den Feed sofort aktualisieren und Präferenzen speichern. Diese Einstellungen lassen sich später wieder ändern.
So funktioniert die KI-Personalisierung
Der entscheidende Unterschied liegt in der Eingabe. Statt zahlreiche einzelne Karten zu bewerten, kann ein Nutzer das gewünschte Ergebnis beschreiben.
Das ist besonders praktisch bei zeitlich begrenzten Interessen. Wer für einen Marathon trainiert, eine Reise plant, ein neues Hobby beginnt oder an einem Projekt arbeitet, kann diesen Kontext direkt nennen. Discover erhält damit eine zusätzliche Information darüber, was aktuell nützlich sein könnte.
Die Funktion kann, sofern sie verfügbar ist, über Discover und unter anderem über das Mehr-Optionen-Menü einer Empfehlung erreichbar sein. Da es sich um ein Search-Labs-Experiment handelt, ist die Verfügbarkeit begrenzt und kann sich ändern.
Nach der offiziellen Google-Seite ist der Test derzeit auf Nutzer ab 18 Jahren in den USA beschränkt, läuft auf Englisch und benötigt die aktuelle Google-App auf einem Smartphone. Auch die Zahl der Testplätze ist begrenzt. Es handelt sich daher nicht um einen weltweiten Start.
Was bedeutet das für Nutzer?
Der größte Vorteil ist mehr Kontrolle.
Empfehlungssysteme können kurzfristiges Verhalten falsch interpretieren. Ein einzelner Artikel über eine Reise, ein Produkt oder einen Sport kann den Feed stärker beeinflussen, als der Nutzer beabsichtigt hat. Mit einer natürlichen Anweisung lässt sich die Richtung des Feeds gezielter korrigieren.
Gleichzeitig kann Discover projektbezogener werden. Nutzer können erklären, woran sie gerade arbeiten oder welches Ziel sie verfolgen. Dadurch könnten Empfehlungen weniger zufällig und stärker situationsbezogen wirken.
Die neue KI-Funktion ersetzt jedoch nicht die bestehenden Datenschutz- und Personalisierungseinstellungen. Google bietet weiterhin Kontrollen für gespeicherte Aktivitäten, Interessen und personalisierte Empfehlungen.
Was bedeutet die Änderung für Publisher und SEO?
Für Publisher unterstreicht der Test einen wichtigen Trend: Relevanz wird immer persönlicher.
Wenn Nutzer ausdrücklich mehr Inhalte zu einem Thema, von einer Quelle oder in einem bestimmten Format wünschen können, wird eine erkennbare redaktionelle Identität noch wichtiger. Publisher profitieren langfristig eher von klarer Themenkompetenz als von einzelnen, zusammenhanglosen Artikeln.
Google hat allerdings keinen neuen Ranking-Trick angekündigt. „Tailor your feed“ ist kein System, mit dem Websites eine garantierte Discover-Platzierung erhalten. Entscheidend bleibt, ob Inhalte zu den tatsächlichen Interessen eines Nutzers passen.
Für SEO- und Redaktionsteams bleiben mehrere Punkte zentral:
- Themen umfassend und konsistent abdecken.
- Überschriften und Beschreibungen klar und präzise formulieren.
- Fachkompetenz in erkennbaren Themenbereichen aufbauen.
- Auf Originalität, Vertrauen und hilfreiche Aktualisierungen setzen.
- Inhalte für mobile Nutzung und visuelle Discover-Erlebnisse optimieren.
- Eine Publisher-Marke entwickeln, die Leser bewusst wiederfinden möchten.
Featured Snippet: Wie kann man Google Discover mit KI personalisieren?
Mit Googles Experiment „Tailor your feed“ können berechtigte Nutzer in eigenen Worten beschreiben, welche Inhalte sie sehen möchten. Sie können Themen hinzufügen oder entfernen, Empfehlungen genauer eingrenzen, bestimmte Quellen oder Formate bevorzugen und den Feed an aktuelle Ziele anpassen. Die KI aktualisiert den Feed entsprechend.
Häufige Fragen
Bekommt Google Discover einen KI-Chat?
Google testet eine gesprächsähnliche KI-Funktion zur Personalisierung. Das offizielle Experiment heißt derzeit „Tailor your feed“.
Kann ich Discover sagen, welche Themen ich nicht mehr sehen will?
Ja. Google nennt ausdrücklich Beispiele, bei denen Nutzer unerwünschte oder nicht mehr relevante Inhalte aus dem Feed entfernen.
Ist die Funktion weltweit verfügbar?
Nein. Die offizielle Experimentseite nennt derzeit eine begrenzte Verfügbarkeit für volljährige Nutzer in den USA, auf Englisch und in der aktuellen Google-App.
Können Publisher damit ihre Inhalte automatisch in Discover bringen?
Nein. Google hat keine garantierte Platzierung oder einen neuen direkten Ranking-Mechanismus angekündigt.
Ersetzt die KI die bisherigen Discover-Einstellungen?
Nein. Einstellungen für Interessen, gespeicherte Aktivitäten und personalisierte Empfehlungen bleiben weiterhin relevant.
Fazit
Mit „Tailor your feed“ macht Google Discover einen Schritt von stiller algorithmischer Personalisierung hin zu direkterer Kommunikation. Nutzer können nicht nur hoffen, dass Google ihre Interessen richtig erkennt, sondern genauer erklären, was sie aktuell sehen möchten.
Für Publisher bedeutet das vor allem: Je klarer ein Angebot für ein bestimmtes Thema und eine bestimmte Zielgruppe steht, desto leichter kann es langfristig zu bewusst geäußerten Interessen passen. Nützliche Inhalte, erkennbare Expertise und eine starke redaktionelle Identität bleiben deshalb entscheidend.
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